Research for Rare - Forschung für seltene Erkrankungen

mitoNET - Deutsches Netzwerk für mitochondriale Erkrankungen

Was sind mitochondriale Erkrankungen?

Mitochondriale Erkrankungen sind eine heterogene Gruppe von Krankheiten (Mitochondriopathien), die durch Fehlfunktionen der Mitochondrien charakterisiert sind. Im engeren Sinne handelt es sich dabei um alle strukturellen und funktionellen Störungen der in den Mitochondrien lokalisierten Atmungskette (oxidative Phosphorylierung). Diese und andere Stoffwechselwege dienen der Energieversorgung der Zelle.

Prinzipiell kann bei einer mitochondrialen Erkrankung jedes Organ in jedem Alter und mit jedem Schweregrad betroffen sein. Somit gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Symptomen und Symptom-Konstellationen. Gewebe mit hohem Energiebedarf sind bevorzugt betroffen: Gehirn, Sinnesorgane, äußere Augenmuskeln, Skelettmuskeln, Herz, Leber, Niere und endokrine Organe (Hormonsystem).

Zu den klassischen mitochondrialen Erkrankungen, die auf Mutationen der mitochondrialen DNA (mtDNA) selbst zurückzuführen sind, zählen die Chronisch Progressive Externe Ophthalmoparese (CPEO), die Lebersche Hereditäre Optikus-Neuropathie (LHON) sowie die Mitochondriale Enzephalomyopathie mit Laktat-Azidose und schlaganfallähnlichen Ereignissen (MELAS).

Trotz diagnostischer Fortschritte und der Aufklärung molekularer Mechanismen durch bisherige Forschungsergebnisse erschwert die Vielfalt der Symptome die Diagnose. Da es für mitochondriale Erkrankungen bislang keine ursächliche Behandlung gibt, fehlen häufig wirksame Therapieansätze.

Gemeinsame Forschung im mitoNET Verbund

Das mitoNET als klinisches Expert:innen-Netzwerk besteht bereits weit über ein Jahrzehnt und umfasst eine Vielzahl an neurologischen Kliniken und Kinderkliniken. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das mitoNET im Zeitraum 2009 – 2015 sowie erneut von 2019 bis 2023 gefördert. Auch nach Abschluss der Förderung wird die Arbeit im Netzwerk fortgesetzt.

Die bisherige Zusammenarbeit hat es ermöglicht, ein Patientenregister mit über 2.800 Patient:innen sowie Biobanken mit bereits über 8.000 Proben aufzubauen. Zudem konnten bereits mehr als sechzig neue Gene identifiziert werden. Diese und weitere Errungenschaften bilden die Basis für aktuelle wissenschaftliche Arbeiten.

Der hohe Forschungsbedarf zu den ursächlichen Gendefekten der Mitochondriopathien wird im Rahmen miteinander vernetzter mitoNET-Projekte adressiert. Dabei liegt der Fokus vor allem auf der Entwicklung verbesserter und schnellerer Diagnoseverfahren für mitochondriale Erkrankungen und auf neuartigen Behandlungsansätzen. Neue Erkenntnisse kommen somit in erster Linie den Betroffenen zu Gute.

Die bestehenden Biobanken und das große Patientenregister wurden während der Förderphase für eine bessere internationale Zusammenarbeit mit anderen Datenbanken harmonisiert und verknüpft werden. Das mitoNET ist hierzu im Rahmen des europäischen E-RARE 3 Projekts GENOMIT tätig.

Expertinnen und Experten des mitoNET-Verbunds beteiligen sich aktiv am Europäischen Referenznetzwerk für seltene neurologische Erkrankungen (ERN-RND)

Projekte

Kontakt
Prof. Dr. med. Thomas Klopstock
LMU Klinikum
Friedrich-Baur-Institut
an der Neurologischen Klinik und Poliklinik
Ziemssenstr. 1a
80336 München
E-Mail: thomas.klopstock@med.uni-muenchen.de


Koordinationsbüro:
Dr. Boriana Büchner
Tel: +49 (89) 4400 57067
Boriana.Buechner@med.uni-muenchen.de
Website: www.mitonet.org

Publikationen

Es gibt mindestens noch 200 unbekannte mitochondriale Erkrankungen

in: BMBF Newsletter Gesundheitsforschung, Juni 2023

Download (PDF)

Gerade bei seltenen Erkrankungen ist eine Vernetzung ideal - das mitoNET-Patientenregister

in: Themenbote Medizin, Februar 2023

Download (PDF)

Übersichtsarbeit "Mitochondriale Erkrankungen"

in: Deutsches Ärzteblatt
Klopstock T, Priglinger C, Yilmaz A, Kornblum C, Distelmaier F, Prokisch H, Ausgabe 44/2021, 5.November 2021

Weitere Informationen

Pressemitteilung: Forschungsverbund mitoNET stellt wichtige Weichen für neue Therapiemöglichkeiten bei mitochondrialen Erkrankungen (Feb. 2022)

Weitere Informationen

Vorstellung des Forschungsverbunds mitoNET, Juli 2021 (©Friedrich-Baur Institut, LMU Klinikum/ Julia Zibold)

Vorstellung des Projekts mitoWEAR - Monitoring mittels tragbarer Aktivitätsgeräte, Juni 2021 (©Friedrich-Baur Institut, LMU Klinikum/ Julia Zibold)

Pressemitteilung des LMU Klinikums vom 10.12.2020

LHON: Verbesserung der Sehfähigkeit dank neuartiger Gentherapie

Weitere Informationen

Website: Forschungsverbund mitoNET

Weitere Informationen

Aktuelle klinische Studien mitoNET

Download (PDF)

Portrait des Verbundes mitoNET im Research4Rare Newsletter (2019)

Download (PDF)

BMBF Seltene Erkrankungen - Nationale Förderung: mitoNET

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